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„Wiarach ba ins ret“

„Wiarach ba ins ret“ –Der Salzburger Lungau und sein Dialekt

 

Projektträger: Lungauer Bildungsverbund
geplante Projektlaufzeit: 10/2017 – 09/2019
Kosten gesamt: € 25.624,00
Fördersatz: 80 %
Förderung in €: € 20.499,00
Aktionsfeld: 2

 

Der Salzburger Lungau stellt aus dialektaler Sicht ein besonders interessantes Gebiet dar: Aufgrund seiner geographischen Abgeschiedenheit hat die Region in sprachlich-kultureller Hinsicht viele Eigenheiten mit jahrhundertealter Tradition, die andernorts Modernisierungsprozessen nicht standhalten konnten, bis ins 21. Jahrhundertbewahrt. In vielfacher Hinsicht zeigt sich im Lungauer Dialekt ein altertümliches Gepräge, das bis heute einen einzigartigen Eindruck vom Leben der Menschen in einer ganz besonderen inneralpinen Kulturregion vermittelt. Im Rahmen des Projekts „Wiarach ba ins ret“ soll der Lungauer Dialekt als prägender und wesentlicher Teil kultureller Identität wissenschaftlich fundiert für ein breites Publikum aufbereitet werden. Während sich die Sprachwissenschaft bereits in der Vergangenheit sehr umfassend mit dem Dialekt im Lungau auseinandergesetzt hat, fehlt eine Publikation, die sich an ein breites Publikum wendet, bis heute.

Vor diesem Hintergrund lässt sich festhalten, dass das Projekt zum einen in wissenschaftlich gründlicher und zugleich verständlicher Beschreibung die Besonderheiten des Lungauer Dialekts dokumentiert; das entsprechende Interesse in der Region ist groß. Die Beschreibung soll so gleichzeitig auch innerhalb der Region das Bewusstsein für die Besonderheit des Lungauer Dialekts schärfen und Teil einer wichtigen „Prestigekampagne“ sein, die deutlich macht, dass der Dialekt einer Region ein unverkennbares, prägendes und identitätsstiftendes Merkmal für dessenBewohner darstellt und kein „gesunkenes Kulturgut“.Indem der Dialekt noch stärker als Teil kultureller Identität etabliert wird, kann das Projekt zum anderen einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des Dialekts und damit eines Teils der Volkskultur beitragen. Der Dialekt des Lungaus soll wissenschaftlich fundiert einem breiten Publikum präsentiert werden:a.) In einem Sprachbuch Lungau „Wiarach ba ins ret“ werden die zentralen Bereiche des Dialekts beschrieben (Laut-und Formenlehre, Satzbau, Wortschatz und geflügelte Worte). Auch namenkundliche Aspekte (Orts-, Gewässer-, Flur-und Bergnamen) werden Berücksichtigung finden. Eingerahmt wird dieser sprachliche Teil von einer kurzgefassten Darstellung der regionalen Geschichte.b.) In der Form eines sprechenden Sprachatlas soll die Sprache des Lungaus für ein breites Publikum hörbar gemacht werden. Dabei wird man auf der Karte des Lungaus über Anklicken von ca. 22 Ortspunkten Sprachproben anhören können. Bei jedem Ortspunkt wird man die Möglichkeit haben, den Dialekt der älteren Generationmit dem der mittleren zu vergleichen. Dabei ist geplant, jeweils ca. 160 Items zu präsentieren („Items“ sind dabei sprachliche Phänomene wie die Aussprache von rvor t,das im Basisdialekt nach dem Laut rals oausgesprochen wird –Heferl> Hefao–bis hin zu Phänomenen des Satzbaus). Über eine zweite Kartenmaske sollen auch ausgewählte Orts-, Gewässer-, Flur-und Bergnamen in dialektaler Aussprache durch Anklicken auf den entsprechenden Ortspunkt hörbar gemacht werden. Als besonderes „Gadget“ ließen sich auch Redewendungen und Erzählepisoden (Rezepte, Todesangst, 1. Schultag, Alltag früher) integrieren und, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, neben dem Informationscharakter den „Spaßfaktor“ erhöhen.Nach dem Abschluss derErhebungen und der erfolgten Dokumentation sind die Ergebnisse für die Allgemeinheit im Druck (Gratisverteilung der kleinen Auflage an Schulen, Museen, Vereine und Gemeinden) sowie im Internet verfüg-bzw. abrufbar. Der sprechende Sprachatlas soll über die Homepage der Lungauer Biophärenpark-Bibliothek (http://www.biosphaerenpark-bibliothek.at/) abgebildet werden. Im Rahmen des Projektes werden auch insgesamt 19 Tablets inklusive Kopfhörer angeschafft und in der Region an für das Projekt markanten Plätzen (hierzu eignen sich insbesondere Museen und Bibliotheken) installiert. Der breiten Bevölkerung sind somit die Ergebnisse des Projektes überdie Lungauer Biosphärenpark-Bibliotheksowie über die Tablets frei zugänglich.

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