Die Landwirtschaft im Salzburger Lungau erfüllt heute weit mehr Aufgaben, als nur Nahrungsmittel zu produzieren. Landwirtinnen und Landwirte tragen aktiv dazu bei, dass unsere Natur ihre vielfältigen Leistungen erbringen kann – von sauberem Wasser über fruchtbare Böden bis hin zu artenreichen Lebensräumen. Diese sogenannten Ökosystemleistungen sind für unser tägliches Leben unverzichtbar: Ohne sie gäbe es weder stabile Ernährungssysteme noch intakte Landschaften, die unser kulturelles und gesellschaftliches Leben prägen.
Was sind Ökosystemleistungen?
Unter Ökosystemleistungen versteht man alle direkten und indirekten Vorteile, die uns Natur und Kulturlandschaft bieten. Sie werden in vier Hauptkategorien eingeteilt:
- Versorgende Leistungen: Alles, was wir direkt aus der Natur gewinnen, zum Beispiel Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milch, aber auch Holz, Trinkwasser oder Pflanzenstoffe für Medizin und Industrie.
- Regulierende Leistungen: Natürliche Prozesse, die unsere Umwelt stabil halten, wie Bestäubung von Pflanzen durch Insekten, natürliche Schädlingsbekämpfung, Regulierung des Wasserhaushalts, Erosionsschutz und Humusaufbau.
- Kulturelle Leistungen: Immaterielle Vorteile wie Erholung, Naturerlebnis, Inspiration und ästhetische Freude an einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft. Traditionell bewirtschaftete Almen sind ein klassisches Beispiel dafür.
- Unterstützende Leistungen: Grundlegende Prozesse, die andere Ökosystemleistungen ermöglichen, etwa Bodenbildung, Fotosynthese oder der Wasserkreislauf.
Biodiversität ist keine eigene Kategorie, aber eine wichtige Grundlage für alle Ökosystemleistungen: Artenreiche Wiesen, Hecken und Wälder sorgen dafür, dass Nährstoffkreisläufe, Bestäubung und Fruchtbarkeit zuverlässig funktionieren.
Ökosystemleistungen in der Lungauer Landwirtschaft
Die Landwirtschaft im Lungau beeinflusst diese Leistungen direkt. Traditionell bewirtschaftete Almen, artenreiche Bergwiesen und extensiv genutzte Ackerflächen bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, fördern die Bestäubung und tragen zur Stabilisierung des Bodens bei. Hecken, Obstbäume, Büsche und Agrarforstreifen strukturieren die Landschaft, schützen vor Wind und Erosion und unterstützen Nützlinge, die wiederum Schädlingspopulationen im Gleichgewicht halten. Humusaufbauende Bewirtschaftung und reduzierte Bodenbearbeitung erhöhen die Fruchtbarkeit, verbessern die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und verringern Nährstoffverluste. Gleichzeitig wird durch die reduzierte Nutzung chemisch-synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel der Schutz von Gewässern und das Klima unterstützt.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Diese Maßnahmen zeigen, dass die Landwirtschaft nicht nur von den Ökosystemleistungen profitiert, sondern selbst einen wesentlichen Beitrag zu deren Erhaltung leisten kann. Durch gezielte Förderung im Rahmen von Programmen wie dem ÖPUL werden Landwirtinnen und Landwirte unterstützt, die Qualität der Ökosysteme langfristig zu sichern. Gefördert werden beispielsweise die Pflege artenreicher Wiesen, die Anlage von Biodiversitätsflächen oder die längere Begrünung von Ackerflächen. Damit werden Produktion, Natur- und Klimaschutz miteinander verbunden und die Resilienz der Landwirtschaft gegenüber Klimawandel und Extremwetter erhöht.
Die Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft und Ökosystemleistungen sind komplex. Intensivere Nutzung kann kurzfristig die Nahrungsmittelproduktion erhöhen, gleichzeitig aber andere Leistungen wie Kohlenstoffspeicherung, Wasserregulierung oder Artenvielfalt verringern. Landwirtinnen und Landwirte im Lungau haben über Generationen hinweg gelernt, die Landschaft so zu gestalten, dass diese Leistungen im Gleichgewicht bleiben. Viele traditionelle Bewirtschaftungsformen haben sich als besonders nachhaltig erwiesen und leisten bis heute einen Beitrag zum Erhalt einer attraktiven Kulturlandschaft, zur Biodiversität und zum Klimaschutz.
Fazit
Die Landwirtschaft im Biosphärenpark Salzburger Lungau ist weit mehr als Nahrungsmittelproduktion: Sie sichert lebenswichtige Ökosystemleistungen, schützt die Natur, fördert die Artenvielfalt und prägt die Kulturlandschaft.
Durch gezielte Maßnahmen können Landwirtinnen und Landwirte diese Leistungen erhalten und stärken. Gleichzeitig werden dadurch ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Ziele miteinander verbunden. Ökosystemleistungen sind somit nicht nur eine Ressource, sondern auch ein wertvoller Beitrag zu einer nachhaltigen und resilienten Zukunft.
Quellen:


