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Jugendliche aus Deutschland schwenden wieder auf Lungauer Almen

Gemeinsam mit dem Jugendgästehaus Mauser Mühltaler, engagierten Lungauer Landwirten und Landwirtinnen sowie der David-Röntgen Schule aus Neuwied (Rheinland-Pfalz, Deutschland) hat das Biosphärenparkmanagement Salzburger Lungau Mai wieder Schwendeinsätze auf Lungauer Almen organisiert und umgesetzt.
Unter Schwenden wird das Offenhalten von Weidefläche auf Almen und das damit einhergehende Entfernen von aufkommenden Bäumen und Sträuchern sowie unerwünschten Pflanzen verstanden. Bei dieser traditionellen Form der Weidepflege werden auch Pflanzen die von den Weidetieren nicht gefressen werden oder giftig sind (z.B. Farne, weißer Germer, kleine Bäume und Sträucher) entfernt. Diese arbeitsintensive Tätigkeit ist für die Erhaltung der Almweiden essentiell und wird auf Grund der Steilheit des Geländes (fast) ausschließlich ohne den Einsatz von großen Maschinen umgesetzt. Neben Motorsägen und -sensen kamen Handsägen und -sicheln sowie Schwend- und Astzangen zum Einsatz. Neben unerwünschten Pflanzen wurden auch zahlreiche große Steine aus den Weideflächen entfernt.
Werden Almflächen nicht regelmäßig geschwendet, verbuschen und verkrauten diese und werden folglich von Weidetieren gemieden. Aufgrund abnehmender Almwirtschaft bzw. weniger intensiverer Beweidung durch zurückgehende Tierzahlen auf den Almen wird das Schwenden für die Erhaltung der Almen immer wichtiger. In vielen Fällen fehlt es jedoch schlichtweg an Personal und Zeit dafür.

Gruppenbild mit Schwendgut

Die Idee Schwend-Einsätze mit Interessierten Personen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, umzusetzen, kam aus der Lungauer Landwirtschaft. Im Austausch mit dem Naturpark Riedingtal, in dem seit Jahren erfolgreich Umweltbaustellen des Alpenvereins (https://www.alpenvereinsjugend.at/angebote/umweltbaustellen/) mit den lokalen Almbauern umgesetzt werden, sowie mit dem Biosphärenparkmanagement Kärntner Nockberge, die ebenso seit mehr als zehn Jahren eine erfolgreiche Kooperation mit einer slowenischen Bildungseinrichtung für Schwendeinsätze entlang der Nockalmstraße umsetzten, hat das Biosphärenparkmanagement mit interessierten Almbauern und -bäuerinnen geeignete Programme ausgearbeitet. Berechtigte Bedenken und organisatorische Fragen, etwa zur Versicherung und Hin- sowie Rücktransport zu den Almen, wurden in zahlreichen Besprechungen diskutiert. Ein herzliches Dankeschön geht hier an Franz Gfrerer vom Naturpark Riedingtal sowie Heinz Mayer vom Biosphärenpark Kärntner Nockberge, die mit ihrem reichen Erfahrungsschatz viele Bedenken und offene Fragen klären konnten!

Gemeinsam mit der David-Röntgen Schule, einer berufsbildenden Schule für Gewerbe und Technik, wurden im Rahmen eines Erasmus+-Projektes (Erasmus+ fördert grenzüberschreitende Projekte mit praktischen Lernerfahrungen für Jugendliche) 2025 erste Schwendeinsätze im Lungau umgesetzt. Die Schule kam dieses Jahr also bereits zum 2. Mal in den Lungau und es ist geplant das Projekt nächstes Jahr auszubauen und mit 2 Gruppen anzureisen. Ziel des Projektes ist das Kennenlernen des Biosphärenparks, das Arbeiten im Team sowie die praktische Mitarbeit im Erhalt von Lebensräumen.
In der letzten Mai-Woche wurden die diesjährigen Einsätze dann erfolgreich mit 18 Jugendlichen und den 2 begleitenden Lehrpersonen umgesetzt. Neben den 3 Schwendeinsätzen hat die Gruppe auch einen waldpädagogischen Ausgang mit einem Biosphärenpark-Fex mitgemacht und dort neben grundlegenden Erklärungen zum Lungau und dem Biosphärenpark auch spielerisch den respektvollen Umgang mit der Natur erfahren. Auch ein Survival-Workshop mit David Schiefer hat der Gruppe wichtige Natur- sowie Gruppenerfahrungen ermöglicht.

Weidefläche mit weißem Germer vor dem Schwenden

Der erster Schwendeinsatz wurde wieder von der Unterkunft der Jugendlichen, dem Jugendgästehaus Mauser Mühltaler, organisiert und auf der eigenen Alm in Tweng umgesetzt. Dort wurden große Steine aus einer Weidefläche entfernt, um diese für die Weidetiere wieder gut zugänglich zu machen.
Der zweite Schwendeinsatz führte die Jugendlichen auf die Zallin-Alm in Mauterndorf und bot den Jugendlichen neben einem beeindruckenden Bergpanorama auch erste alpine Erfahrungen. Der Obmann der Genossenschaftsalm, Reinhard Bauer, gab eine Übersicht über die Alm, ihre Flächen sowie Herausforderungen. Hier wurden Erlengebüsche mit Hilfe von Motorsägen entfernt und von den Jugendlichen zusammengetragen. Auch Farne und andere unerwünschte Pflanzen wurden im Zuge dessen entfernt.
Der dritte Schwendeinsatz fand wieder im Riedingtal auf der Neusesswirt Alm statt. Auch hier wurde eine Weidefläche von Steinen gesäubert sowie eine andere Fläche von Steinen, umgerissenen Bäumen und anderen von einer Lawine mitgerissenen Unrat entfernt. Jene Fläche die im Vorjahr von Farn und weißen Germer befreit wurde, zeigte sehr deutlich die positiven Auswirkungen der getanen Arbeit auf. So wurde auch der Rest dieser Weidefläche von diesen Pflanzen befreit und kleine Bäume, die von den Bewirtschaftern bereits im Vorhinein umgeschnitten wurden, auf großen Haufen zusammengetragen. Ein Regenguss unterbrach die Arbeiten kurz und gab Gelegenheit zur Besichtigung des Almgebäudes und einer Diskussion, welche Vorteile die Alm für die Tiere, die Natur, die Bewirtschaftenden sowie die Gesellschaft bringt.

Die Jugendlichen waren sich über die Beschwerlichkeit und körperlichen Mühen in dem steilen Gelände der Almen genauso einig wie über die lohnenswerten Aussichten auf die umgebenden Berglandschaften. War es für die meisten doch das erste Mal in den Alpen.

Ein herzliches Dankeschön geht an alle beteiligten Bewirtschafter*innen für ihr Vertrauen und Engagement sowie ihre tatkräftige Unterstützung bei der Organisation und Umsetzung der Schwendeinsätze. Insbesondere Familie Mauser sei hier für die gelungene Organisation und Zusammenarbeit gedankt!

Gemeinsam mit der David-Röntgen-Schule ist geplant auch 2027 wieder Schwendeinsätze auf Lungauer Almen umzusetzen!