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Jugendliche aus Deutschland schwenden auf Lungauer Almen

Eine Almfläche wird von Farnen befreit

Gemeinsam mit dem Jugendgästehaus Mauser Mühltaler, engagierten Lungauer Landwirten und Landwirtinnen sowie der David-Röntgen Schule aus Neuwied (Rheinland-Pfalz, Deutschland) hat das Biosphärenparkmanagement Salzburger Lungau in der ersten Juli-Woche drei Schwendeinsätze auf Lungauer Almen organisiert und umgesetzt.
Unter Schwenden wird das Offenhalten von Weidefläche auf Almen und das damit einhergehende Entfernen von aufkommenden Bäumen und Sträuchern sowie unerwünschten Pflanzen verstanden. Bei dieser traditionellen Form der Weidepflege werden auch Pflanzen die von den Weidetieren nicht gefressen werden oder giftig sind (z.B. Farne, weißer Germer) entfernt. Diese arbeitsintensive Tätigkeit ist für die Erhaltung der Almweiden essentiell und wird auf Grund der Steilheit des Geländes (fast) ausschließlich ohne den Einsatz von großen Maschinen umgesetzt. Neben Motorsägen und -sensen kamen Handsägen und -sicheln sowie Schwend- und Astzangen zum Einsatz. Werden Almflächen nicht regelmäßig geschwendet, verbuschen und verkrauten diese und werden folglich von Weidetieren gemieden. Aufgrund abnehmender Almwirtschaft bzw. weniger intensiverer Beweidung durch zurückgehende Tierzahlen auf den Almen wird das Schwenden für die Erhaltung der Almen immer wichtiger. In vielen Fällen fehlt es jedoch schlichtweg an Personal und Zeit dafür.

Zusammenarbeit Biosphärenpark und Lungauer Landwirtschaft

Die Idee Schwend-Einsätze mit Interessierten Personen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, umzusetzen, kam aus der Lungauer Landwirtschaft. Im Austausch mit dem Naturpark Riedingtal, in dem seit Jahren erfolgreich Umweltbaustellen des Alpenvereins mit den lokalen Almbauern umgesetzt werden, sowie mit dem Biosphärenparkmanagement Kärntner Nockberge, die ebenso seit mehr als zehn Jahren eine erfolgreiche Kooperation mit einer slowenischen Bildungseinrichtung für Schwendeinsätze entlang der Nockalmstraße umsetzten, hat das Biosphärenparkmanagement mit interessierten Almbauern und -bäuerinnen geeignete Programme ausgearbeitet. Berechtigte Bedenken und organisatorische Fragen, etwa zur Versicherung und Hin- sowie Rücktransport zu den Almen, wurden in zahlreichen Besprechungen diskutiert. Ein herzliches Dankeschön geht hier an Franz Gfrerer vom Naturpark Riedingtal sowie Heinz Mayer vom Biosphärenpark Kärntner Nockberge, die mit ihrem reichen Erfahrungsschatz viele Bedenken und offene Fragen klären konnten!

 

Vor dem Schwenden:

Schwenden im Biosphärenpark Lungau

Gemeinsam mit der David-Röntgen Schule, einer berufsbildenden Schule für Gewerbe und Technik, wurden im Rahmen eines Erasmus+-Projektes (Erasmus+ fördert grenzüberschreitende Projekte mit praktischen Lernerfahrungen für Jugendliche) erste Schwendeinsätze im Lungau geplant. Ziel des Projektes war das Kennenlernen des Biosphärenparks, das Arbeiten im Team sowie die praktische Mitarbeit im Erhalt von Lebensräumen.
In der ersten Juli-Woche wurden diese Einsätze dann erfolgreich mit 12 Jugendlichen und den 2 begleitenden Lehrpersonen umgesetzt. Beginnend mit einem waldpädagogischen Ausgang wurde den Jugendlichen grundlegende Erklärungen, etwa was eigentlich eine Alm ist und warum diese Flächen so wichtig sind und wie wir uns dort respektvoll verhalten, sowie Naturerfahrungen für alle Sinne spielerisch näher gebracht. Der erster Schwendeinsatz wurde von der Unterkunft der Jugendlichen, dem Jugendgästehaus Mauser Mühltaler, organisiert und auf der eigenen Alm in Tweng umgesetzt. Dabei wurde eine Lärchweide von am Boden liegenden Ästen gesäubert, um diese für die Weidetiere wieder gut zugänglich zu machen.
Der zweite Schwendeinsatz führte die Jugendlichen ins Riedingtal auf die Neusesswirt Alm. Nach einer Besichtigung des Almgebäudes und einer Diskussion, welche Vorteile die Alm für die Tiere, die Natur, die Bewirtschaftenden sowie die Gesellschaft bringt, wurde dort Weidefläche von giftigen Farnen und weißem Germer sowie von aufkommenden Bäumen befreit. Vorher-Nachher Bilder zeigten die freigeschnittene Fläche eindrücklich. Neben dem beeindruckenden Bergpanorama war die Gruppe vor allem von der vielfältigen Bedeutung und Nutzung der Alm für den Betrieb sowie für die bewirtschaftende Familie beindruckt.
Der dritte Schwendeinsatz fand auf der Zallin-Alm in Mauterndorf statt. Der Obmann der Genossenschaftsalm, Reinhard Bauer, gab uns eine Übersicht über die Alm, ihre Flächen sowie Herausforderungen. Hier wurden Erlengebüsche mit Hilfe von Motorsägen entfernt und von den Jugendlichen zusammengetragen. Auch Farne und andere unerwünschte Pflanzen wurden im Zuge dessen entfernt. Die mannshohen Schnittguthaufen zeigten auch hier die getane Arbeit eindrücklich auf. Bevor dieser Schwendeinsatz von einem Gewitter vorzeitig beendet wurde, hat die Gruppe auch hier eine Lärchweide zusammengeräumt.
Die Jugendlichen waren sich über die Beschwerlichkeit und körperlichen Mühen in dem steilen Gelände der Almen genauso einig wie über die lohnenswerten Aussichten auf die umgebenden Berglandschaften. War es für die meisten doch das erste Mal in den Alpen.

Schwenden der Almflächen:

Nach dem Schwenden:

Ein herzliches Dankeschön geht an alle beteiligten Bewirtschafter*innen für ihr Vertrauen und Engagement sowie ihre tatkräftige Unterstützung bei der Organisation und Umsetzung der Schwendeinsätze. Insbesondere Familie Mauser sei hier für ihre großzügige Unterstützung in der Organisation des Wochenprogramms sowie im Transport zu und von den Almen gedankt!

Gemeinsam mit der David-Röntgen-Schule ist geplant auch nächstes Jahr wieder Schwendeinsätze auf Lungauer Almen umzusetzen! Für die Lungauer Schulen bietet das Biosphärenparkmanagement ebenso geführte Almprogramme an. In unterschiedlichen Programmen wird hier neben dem respektvollen Umgang mit Weidetieren auch die Milchwirtschaft näher betrachtet und praktisch ausprobiert.