Leerstehende Gebäude sind oft mehr Chance als Problem – in der neuen Kategorie ‚Leerstände vor den Vorhang‘ wird gezeigt, wie Orte im Lungau neues Leben bekommen. Den Auftakt macht ein besonderes Beispiel aus St. Michael.
Wie eine Metzgerei einen Leerstand im Herzen von St. Michael neu belebt
Es sind oft die kleinen Dinge, die im Alltag plötzlich fehlen – und erst dann auffallen. In St. Michael im Lungau war es über Jahre hinweg eine Metzgerei. Wer frisches Fleisch aus regionaler Produktion kaufen wollte, musste den Ort verlassen. Ein Umstand, der von vielen als Lücke empfunden wurde – und schließlich zum Ausgangspunkt einer Erfolgsgeschichte wurde.
Vom Wunsch zur Idee
Der Bedarf war da, der Wunsch in der Bevölkerung deutlich. Also wurde gehandelt. Der Bürgermeister von St. Michael nahm Kontakt mit der Fleischerei Peitler aus Rennweg auf – einem Betrieb, der im Lungau bereits bekannt war und viele Stammkundinnen und Stammkunden aus St. Michael zählte. Die Frage war einfach, aber entscheidend: Könnte St. Michael wieder eine eigene Metzgerei bekommen?
Es folgten Besichtigungen, Gespräche mit Eigentümern und ein genauer Blick auf bestehende Leerstände. Die Wahl fiel schließlich auf ein Gebäude, das viele noch gut kannten: das ehemalige Restaurant Platzlstub‘n. Genauer gesagt auf den Wintergarten – einen Raum, der bereits viel Atmosphäre mitbrachte und nur darauf wartete, wieder genutzt zu werden.
Ein Leerstand, der bereit war
Was dieses Projekt besonders machte, war die Einfachheit der Umsetzung. Der Wintergarten musste nicht neu erfunden werden. Ein frischer Anstrich, eine neue Spüle, kleinere Elektroarbeiten – mehr brauchte es nicht. Auch die Produktionsstätte ließ sich rasch lösen: In einer ehemaligen Bäckerei war die passende Infrastruktur bereits vorhanden und konnte nahezu unverändert übernommen werden. So wurde aus einem leerstehenden Gasthaus innerhalb von nur zwei Wochen wieder ein funktionierender Betrieb. Ein Beispiel dafür, dass Leerstände oft näher an einer neuen Nutzung sind, als man denkt.
Mitten im Leben
Heute liegt die Metzgerei dort, wo das tägliche Leben stattfindet: nahe Apotheke, Bank und weiteren zentralen Einrichtungen. Viele erledigen ihren Einkauf ganz selbstverständlich im Vorbeigehen – ein Effekt, der den Ortskern spürbar belebt.
Auch das Thema Parken, das bei Projekten im Zentrum häufig kritisch gesehen wird, relativiert sich im Alltag: Öffentliche Parkplätze befinden sich nur wenige Gehminuten entfernt. Der kurze Weg durch den Ort wird von vielen Kundinnen und Kunden bewusst in Kauf genommen – und stärkt damit genau das, was Ortskernentwicklung ausmacht.
Ein Gewinn auf mehreren Ebenen
Die Fleischerei, die zuvor in Rennweg angesiedelt war, bringt nun ihre bestehende Kundschaft nach St. Michael. Gleichzeitig müssen die Menschen aus dem Ort und der Umgebung nicht mehr ausweichen. Das Ergebnis ist ein Betrieb, der gut angenommen wird – und ein Ort, der ein Stück Versorgung und Identität zurückgewonnen hat.
Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was gelingen kann, wenn Gemeinde, Eigentümer und Betriebe zusammenarbeiten. Ein Leerstand wird nicht nur gefüllt, sondern sinnvoll genutzt. Ein Raum wird wieder Teil des täglichen Lebens. Und ein Ortskern gewinnt an Qualität.
Wer also in St. Michael im Lungau auf der Suche nach regionalen Fleisch- und Wurstwaren ist, sollte unbedingt bei der Metzgerei Peitler vorbeischauen – hier trifft Tradition auf Frische, und jeder Einkauf wird zum kleinen Genussmoment.
Dieser Artikel wurde im Rahmen des Projekts „Leerstandsmanagement Lungau“ erstellt, das durch die AMA-Förderung 77-04 unterstützt und kofinanziert wird. Mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union (EU-Bund-Land-kofinanziert).


