Abschlusspräsentation der EURUFU Sommeruniversität

Die 37 Studenten aus Österreich, Deutschland, Italien, Luxemburg und der Schweiz aus den Studienrichtungen Architektur, Geographie, Landschaftsarchitektur, Umweltsystemwissenschaften, Raumplanung und Politikwissenschaften haben im Zuge der Sommeruniversität intensiv an 12 Projekten zu den Themen Mobilität, Almen, Leben in alten Mauern, Gewässer, Bewusstseinsbildung im Biosphärenpark und alpine Ornithologie gearbeitet.

Bei Projekten unter dem Titel "Leben in alten Mauern" beschäftigten sich Kleingruppen aus zwei bis vier Studenten mit der Wiederbelebung alter Gebäude sowie der Neugestaltung derer Außenfläche (z.B. Shared Space Konzept). Die behandelten Objekte waren das Schoß Kuenburg in Tamsweg, das Stuggergebäude in Mariapfarr, der Neuwirtstall in Mauterndorf, der Wirtsstall in Thomatal und der leere Platz vor der Gemeinde in St. Margarethen. Wander- und Lehrpfade zum Thema Umweltbewusstsein und Biosphärenpark war Hauptschwerpunkt für den Seetalersee und Thomatalerbach. Auch ein neues Nutzungskonzept für unbewirtschaftete Almen wurde erstellt. Weitere große Projekte waren die Planung einer Vogelforschungsstation und eines Biosphärenparkzentrums. Hier wurde neben der Planung von beeidruckenden Gebäuden auch darauf geachtet, dass Bildung und Information der Besucher nicht zu kurz kommt. Die letzte Gruppe präsentierte ein neues Mobititätskonzept für den Lungau - den "Eachtlengbus", der die Gemeinden rund um den Mitterberg verbinden soll.

Das Publikum zeigte sich von den Ideen und der Umsetzung der Projekte beeindruckt und war begeistert, wieviel die Studenten in nur so kurzer Zeit erreichten.

Sommer-Uni 2013

EURUFU Sommeruniversität 2013 im UNESCO Biosphärenpark Lungau
MO 5. bis FR 23. August 2013

Die Sommeruniversität verbindet Theorie und Praxis, begleitet von einem attraktiven Rahmenprogramm, Feldarbeiten und interessanten Exkursionen.

Im Zuge der dreiwöchigen Sommeruniversität werden StudentInnen die Möglichkeit in interdisziplinären Arbeitsgruppen an umsetzungsorientierten Projekten, wie beispielsweise der Planung eines Biosphärenparkzentrums oder der Ausarbeitung von innovativen E-Mobilitätskonzepten, für den Lungau arbeiten.

Für die Teilnahme an der Sommeruniversität erhalten Sie 6 ECTS (BOKU, Universität Innsbruck, Universität Salzburg, TU Wien, Kunstuniversität Linz).

Aufgabenstellungen

Folgende Punkte sind für alle Aufgaben gültig:

  • Der Biosphärenparkgedanke soll verwirklicht werden! D.h. die Projekte sollen nachhaltig und regional ausgeführt werden und dies soll auch für Außenstehende sichtbar sein.
  • „Nachhaltig“ bedeutet für mich: Sparsam an Ressourcen- und Energieverbrauch (Produktion und laufender Betrieb), Verwendung regionaler Ressourcen (Umkreis von ca. 50 km), lange Lebensdauer und Sinnhaftigkeit in der Umsetzung bzw. Verwendung  „enkeltauglich“, stärkt regionale Wirtschaft, schont (regionale) Natur, „trägt sich selbst“ (ist z.B. unabhängig von Subventionen, erhält sich durch laufenden Betrieb). Bei Problemen bei der Verknüpfung von umweltschonend und regional produziert soll die bestmögliche nachhaltige Lösung gefunden werden.
  • Es ist selbständig abzuwägen, was für die Lösung der Aufgabe am besten ist – Altes effizient umzugestalten oder Neues zu kreieren! Es muss nicht immer etwas komplett Neues erfunden werden. Es ist auch erwünscht, dass vorhandene Strukturen effizient(er) genutzt werden.
  • Nutzen sie wenn möglich vorhandene Infrastrukturen, Institutionen, Lungauer Firmen und Betriebe!
  • Bzgl. Außenraumgestaltung: Lungau-typische Bepflanzung, soll eventuell so gestaltet sein, dass gleichzeitig Informationen vermittelt werden (z.B. durch kleine Infotafeln bei besonderen Pflanzen o.ä.), soll attraktiv und einladend gestaltet sein, darf keine intensive Pflege und keine Verwendung von Torf o.ä. Ressourcen benötigen – nachhaltig! Am besten sollen die Pflanzen die dafür gebraucht werden zum Beispiel in einem Schul- oder Studienprojekt mit regionalen Betrieben nachhaltig und umweltschonend produziert werden o.ä. Die Konzepte über die Herkunft bzw. Produktion der Pflanzen und deren Pflege ist ebenfalls Teil der Aufgabenerfüllung! „Nutzpflanzen“ sind in der Gestaltung ebenfalls erlaubt bzw. erwünscht.
  • Produktionen und Fertigungen sollen im Biosphärenpark möglich sein. Dabei können Unternehmen, Institutionen, Schulen, Unis oder auch private Personen beteiligt sein. (Die Rohstoffe und Fertigung sollten mindestens, wenn nicht anders möglich, österreichisch, aus Bayern oder Südtirol sein.)


6. Projekte bzw. Aufgabenstellungen im BSP

1. Bewusstseinsbildung Biosphärenpark (BSP)

Das Ziel der zwei Aufgabenstellungen ist eine bewusstere Wahrnehmung der Ziele des Biosphärenparks, sowohl in der Bevölkerung als auch bei potentiellen Gästen.

Aufgabenstellung:

  • Planung eines BSP-Zentrums und Vermarktung von BSP-Produkten

Planung eines BSP-Zentrums:
Durch den Bau eines BSP-Zentrums soll nach dem Vorbild von Nationalparkzentren ein repräsentativer Ort entstehen. Das Zentrum soll Interessierten die Möglichkeit bieten, sich über den Biosphärenpark und seine Besonderheiten zu informieren.

Planungsaufgaben:

  • Eruieren sie die beste Lage bzw. begründen sie ihre Meinung ausführlich – Bau auf der grünen Wiese oder Nutzung bestehender Gebäude/Infrastruktur?
  • Ist das Gebäude ein reines Informationszentrum, oder befindet sich dort auch die BSP-Verwaltung?
  • Machen sie einen Plan und ein Modell von dem Gebäude. Stellen sie dar wie sie das BSP-Zentrum gestalten würden, so, dass es seine Funktion optimal erfüllt.
  • Erstellen sie ein Konzept für die nachhaltige und effiziente Nutzung des Gebäudes und den laufenden Betrieb.
  • Erstellen Sie ein Konzept zur BSP-Informationsvermittlung: Welche Infos werden transportiert und wie werden die Infos transportiert?
  • Finden sie einen „knackigen“ deutschen Namen für die Einrichtungen.

Vermarktung BSP Produkte:
Der Lungau bietet eine Vielzahl einzigartiger Produkte welche auch unter der Marke „Biosphärenparkprodukte“ vermarktet werden können. Wo und wie sollen Produkte verkauft werden, welche Ansätze gibt es bereits – zentral, dezentral?

Planungsaufgaben:

  • Was zeichnet den Lungau aus und welche Produkte gibt es?
  • Stellen sie ein Grob-Konzept mit den Zielen des geplanten Geschäftsmodells und den Kooperationen zusammen und sprechen sie mit Landwirten, Gastronomie- und Tourismusbetrieben, Institutionen und NGOs, ob sie sich konkret beteiligen und mitarbeiten möchten.
  • Gestalten sie Vorschläge, um die Produkte einheitlich, funktionell (sinnvoll), ansprechend und nachhaltig zu verpacken und kennzeichnen.
  • Wo und wie sollen Produkte verkauft werden, welche Ansätze gibt es bereits – zentral, dezentral?
  • Gestaltung und Design möglicher Verkaufsstellen/Konzepte
  • Wo kann die Verpackung nachhaltig und möglichst regional hergestellt werden?

2. Mobilität

Aufgabenstellung:

  • Umweltfreundliches Mobilitätskonzept (öffentlicher Verkehr und Individualverkehr)

Öffentlicher Verkehr

Der Biosphärenpark Lungau will als klima:aktiv-Partner umweltfreundliche Mobilität aktiv fördern und die Anreise und den Aufenthalt ohne Auto erleichtern. Das Angebot des öffentlichen Verkehrs soll deshalb ausgebaut und neue innovative Lösungen gefunden werden.

Planungsaufgaben:
Ausarbeitung eines attraktiven Konzeptes zum Thema öffentlicher Verkehr im Lungau

  • Eruieren Sie vorhandene Konzepte (Tälerbusse, Car-Sharing und Projekt Elektrifizierung der Murtalbahn).
  • Bedarfsanalyse öffentlicher Verkehr
  • Nutzen und optimieren sie bereits vorhandene Konzepte (Tälerbusse und Car-Sharing). Wie kann man auf vorhandene Konzepte aufbauen?
  • Planen sie Unterstände oder Wartehäuschen (regionale und nachhaltige Erzeugung) so billig und einfach wie möglich - sie müssen ins Landschaftsbild passen.
  • Erarbeiten sie ein Konzept, wie man den Wartebereich zum Transport von kurzen Infos über den Biosphärenpark bzw. zu besonderen Lungauer Naturräumen und Ökosystemen nutzen kann, E-Mobilität und ihren Sinn und Zweck etc.

Individualverkehr

Der Biosphärenpark Lungau will als klima:aktiv-Partner umweltfreundliche Mobilität aktiv fördern und die Anreise und den Aufenthalt ohne Auto erleichtern. Zurzeit gibt es rund 300 E-Bikes, verteilt auf fast 50 Verleihstationen. Das Angebot soll auch im Hinblick auf andere innovative Ideen ausgebaut werden.

Planungsaufgaben:
Ausarbeitung eines attraktiven Konzeptes zum Thema E-Mobilität im Lungau

  • Nutzen und optimieren sie bereits vorhandene Konzepte (z.B. E-Bikes, Elektroautos).
  • Eruieren sie, wo im Lungau die beste Lage für etwaige Verleihstationen sein könnten.
  • Gestalten sie ein Designkonzept für Fahrzeuge
  • Wie könnten die Elektrofahrzeuge mit Strom versorgt werden?
  • Gestaltung der Stromtankstellen

3. Biosphärenparkalm

Aufgabenstellung:

  • Alm Schönfeld

Ein wichtiger Teil des Lungauer Kulturgutes sind Almen. Die Bewirtschaftung dieser Flächen trägt maßgeblich zum typischen Landschaftsbild aber auch zu einer höheren Biodiversität bei. Durch die Bewirtschaftung entwickelt sich im Almenbereich eine vielfältige Flora und Fauna.

BSP Alm Schönfeld

Eine Almhütte in Schönfeld mit Stallgebäude wird dem Biosphärenpark zur Verfügung gestellt. Das Biosphärenparkmanagement möchte diese Chance nutzen und eine sogenannte Biosphärenpark-Alm installieren.

Planungsaufgaben:
Planung und Konzeptgestaltung für eine Almhütte in Schönfeld

  • Erarbeiten sie ein Konzept für die nachhaltige Nutzung und die Einbindung in den regionalen Kontext und den Biosphärenpark.
  • Wie könnte das Gebäude nachhaltig u. regional renoviert/optimiert werden? Wie sieht es nachher aus? Erarbeiten sie einen Plan und ein Modell.
  • Planen sie eine nachhaltige und attraktive Außengestaltung mit zusätzlicher Info-Vermittlung über den Biosphärenpark, Ökosysteme usw. und stellen sie dies anschaulich dar.
  • Erarbeiten sie ein Konzept für die nachhaltige Erreichbarkeit der Almhütte aus beiden Regionen. Nutzen sie dazu bestehende Infrastrukturen (Wege, E-Mobilität, Tälerbusse etc.) und beachten sie Naturschutzkonzepte.

4. Gewässer

Zwei Aufgabenstellungen:

  • Seetalersee (Natura 2000 Gebiet, Landschaftsschutzgebiet)
  • Thomataler Bach

Seetalersee

Der in der Marktgemeinde Tamsweg gelegene Moorsee inkl. des 500 m breiten Uferbereiches ist Landschafts- und Europaschutzgebiet und zeichnet sich durch Schwingrasenbeständen, Latschenhochmooren und seine ihn umgebenden artenreichen Mähwiesen und extensiven Magerweiden aus. Des Weiteren ist der See als Naturdenkmal ausgewiesen. Damit dieses einzigartige Ökosystem auch zukünftig erhalten bleibt, ist eine Bewusstseinsbildung und eine nachhaltige Nutzung wichtig.

Planungsaufgaben:

  • Wie könnte man Bewusstsein für die Einzigartigkeit des Ökosystems Seetalersee schaffen und Wissen darüber vermitteln, so, dass der See intakt bleibt?
  • Wie wird sichergestellt, dass der See trotz „Zugänglichkeit“ geschützt ist?
  • Wie kann man Informationen über das Natura 2000 Gebiet transportieren?
  • Soll es bauliche Maßnahmen geben und wie könnten diese aussehen.
  • Sind die Strukturen auf Führungen ausgerichtet oder für individuelle „Allein-Besucher“?

Thomataler Bach

Der Thomataler Bach ist namensgebend für die Gemeinde Thomatal und prägt maßgeblich das Aussehen des Tals. Leider gibt es keinen Spazierweg oder Naherholungsplatz beim Bach. Die E5 Gemeinde und die Kerngruppe sind sehr bestrebt, das ortsnahe Gebiet am Bach in ein Naherholungsgebiet umzugestalten.

Planungsaufgaben:

  • Erstellen sie ein nachhaltiges Nutzungskonzept für den Thomataler Bach mit Renaturierung
  • Planen Sie ein Naherholungsgebiet für Familien, Kinder und alte Menschen
  • Konzeptionieren Sie eine Spazier- und Radweganbindung an die angrenzenden Gemeinden bzw. mit dem Hochofenmuseum in Bundschuh.
  • Wie könnte man Bewusstsein für das Ökosystem schaffen und Wissen darüber vermitteln, so, dass der Bach intakt und wertgeschätzt bleibt?
  • Wie wird sichergestellt, dass der Bach trotz „Zugänglichkeit“ geschützt ist bzw. die Sicherheit für die Gäste erlaubt ist.
  • Soll es bauliche Maßnahmen geben und wie könnten diese aussehen.

5. Neues Leben in alten Mauern

Wie in den meisten ländlichen Gebieten, stehen auch im Lungau einige Gebäude leer. Um die Attraktivität des Lungau zu steigern und die Situation langfristig zu verbessern, wollen wir uns unter anderem bemühen, die Ortskerne wieder zu beleben und leerstehende Gebäude innovativ, sinnvoll und nachhaltig zu nutzen.

  • Beschreiben sie, wie sie das jeweilige Gebäude nachhaltig und sinnvoll nutzen würden. Erstellen sie hierfür ein genaues Konzept.
  • Erstellen sie einen Plan und ein Modell für die (Um-)Gestaltung des Gebäudes.
  • Erarbeiten sie ein Konzept wie man Einheimische und Gäste motivieren kann, die neu geschaffenen Strukturen gerne zu nutzen.
  • Gemeinde Mariapfarr: Objekt „Stugger“ im Ortszentrum
  • Gemeinde Mauterndorf: Neuwirtstall
  • Gemeinde St. Margarethen: Park
  • Gemeinde Tamsweg: Schloß Kuenburg
  • Gemeinde Thomatal: Stallgebäude GH Grübl

6. Alpine Ornithologie – Infrastruktur für Beobachtung und Architektur

Bewirtschaftete Almen, Seilbahnstationen, Pisten, Straßen und Wanderwege überziehen immer dichter alpine Regionen und spielen auch im Biosphärenpark und seiner möglichen weiteren Erschließung für den Tourismus eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Gebäude können für manche Vogelarten (Schwalben, Hausrotschwanz) neue Nistmöglichkeiten bieten. Nistkästen, etwa für Schneefinken, können diesen Effekt verstärken und als Attraktion für naturkundlich Interessierte ausgebaut werden. Pisten degradieren den Lebensraum der Vögel und Straßen und Wege stellen Störquellen dar.
Der Lungau weist zudem eine sehr niedrige Lichtverschmutzung auf wodurch besonders gute Bedingungen für nächtliche Himmelsbeobachtungen gegeben sind.


Planungsaufgaben:

  • Vorschläge zur Gestaltung von Hinweistafeln und Texten zu alpinen Vögeln
  • Datenerhebung zur Habitatzerstörung und Störquellen und Ausarbeitung von Verbesserungsmaßnahmen
  • Planung einer Forschungsstelle für Vogelzug (Beringungsstation) mit Unterkunftsmöglichkeiten, Untersuchungsraum und "Fangarten". Dazu gehören Standortsuche und Ausarbeitung eines Neubaus oder Adaptierung vorhandener Infrastruktur.
  • Ausarbeiten von Möglichkeiten, die ornithologische Forschungsstelle auch für astronomische Beobachtungen zu nutzen.