Zusammenleben von Mensch und Natur

Der Mensch und die Biosphäre (MAB)

Das Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) ist auf die internationale Zusammenarbeit in der Umweltforschung ausgerichtet. Durch die Entwicklung wissenschaftlicher und anwendungsorientierter Grundlagen im Bereich der Natur- und Sozialwissenschaften sollen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Erhaltung der Artenvielfalt langfristig gesichert werden.

Im Zentrum des Programms steht das Konzept der UNESCO-Biosphärenparks. UNESCO-Biosphärenparks sind international repräsentative Land-, Wasser- oder Küstenregionen, in denen nachhaltige Entwicklung gelebt wird. Die Bewahrung biologischer Vielfalt und regionaler kultureller Werte werden hier mit sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung in modellhafter Weise vereinbart. UNESCO-Biosphärenparks stehen damit für das Zusammenleben von Mensch und Natur.
Die UNESCO-Mitgliedstaaten können Gebiete als Biosphärenparks vorschlagen, die dem Schutz und dem Erhalt von Lebensräumen dienen. Die ausgezeichneten Gebiete sind einerseits charakteristisch für bestimmte Landschaftstypen und Ökosysteme und andererseits „Freiluftlabore“, um innovative Methoden zu testen und zu veranschaulichen, wie Natur und menschliche Nutzung durch optimales Management in Einklang gebracht werden können. UNESCO-Biosphärenparks erfüllen drei grundlegende Funktionen: Schutz, Entwicklung durch die Förderung nachhaltiger wirtschaftlicher Regionalentwicklung und Aufbau eines internationalen Netzwerks für Forschung, Monitoring und Ausbildung im Umweltbereich.

Heute umfasst das weltweite Netzwerk über 610 Gebiete in mehr als 117 Ländern.
In Österreich koordiniert das MAB-Nationalkomitee die von Österreich durchgeführten wissenschaftlichen Projekte des MAB-Programms. Seit 2003 liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf den österreichischen Biosphärenparks. Die Österreichische UNESCO-Kommission definiert ihre Hauptaufgaben komplementär dazu vor allem in den Bereichen Bildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie Beratung.

SEVILLA STRATEGY

Anfangs war das MAB-Programm nur ein weiteres von vielen internationalen Forschungsprogrammen. Bei der Ausweisung der ersten Biosphärenparks ab 1976 standen die Naturschutz- und Forschungsinteressen noch klar im Vordergrund. Die Einbindung des Menschen mit seinem Leben und Wirtschaften in der Natur wurde wenig berücksichtigt. Viele Gebiete waren bereits vor der Nominierung durch die UNESCO als Nationalparks oder Naturreservate unter besonderen Schutz gestellt. In den meisten Fällen wurden weder neue Flächen noch Funktionen hinzugefügt. In dieser Anfangsphase waren die Biosphärenparke weit davon entfernt, ihre Funktion als weltweit koordiniertes Netzwerk zur Umweltbeobachtung und Erprobung von nachhaltigen Nutzungsstrategien zu erfüllen. Dies änderte sich mit der Konferenz, die 1995 in Sevilla (Spanien) stattfand. Sie setzte einen Meilenstein in der Entwicklung des Biosphärenparkkonzepts.

Entscheidender Fortschritt war die Erkenntnis, dass der Schutz der biologischen Vielfalt nicht mehr isoliert von den Bedürfnissen der Menschen gesehen werden kann. Seither teilt sich die Geschichte des MAB-Programms in VOR Sevilla und NACH Sevilla. Die verabschiedeten Internationalen Leitlinien für das Weltnetz der Biosphärenparks betonten die aktive Rolle des Menschen. Er soll als integraler Bestandteil in Biosphärenparks leben und wirtschaften, mit dem Ziel, seine natürliche Umwelt langfristig zu erhalten. Gerade bei der Planung von neuen Biosphärenparks ist die Beteiligung aller Interessensgruppen vor Ort und die Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten entscheidend. Die gleichzeitig beschlossene Sevilla-Strategie enthält 90 Empfehlungen, die auf globaler, nationaler oder regionaler Ebene erfüllt werden sollen. Diese Richtlinien sind zwar nicht völkerrechtlich bindend, UNESCO-Mitgliedsstaaten wie Österreich verpflichten sich aber freiwillig, die Kriterien bei der Einrichtung von Biosphärenparks einzuhalten.

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