Zauberwort für den nötigen Schub ohne Scheuklappen
Für Fritz Messner liegen Vorteile eines Biosphärenparks auf der Hand
ST. MICHAEL (rec). „Es ist absolut logisch, dass sich der Lungau um dieses Prädikat bewirbt. Ich kann nichts finden, was mich am Konzept des Biosphärenpark Lungau stört“, lässt Fritz Messner keine Zweifel über seine Einstellung zu diesem Thema aufkommen. Es gebe so viele verschiedene Etiketten und Stempel, die man Regionen aufdrücken könne, aber bisher sei ihm noch nichts Vergleichbares untergekommen, das auch die Wirtschaft in der Form mit einbeziehe. Genau darin sieht er die Jahrhundertchance für den Lungau: „Nachhaltiges Wirtschaften wird auf der ganzen Welt in Zukunft das Maß aller Dinge sein“, ist der gebürtige St. Michaeler überzeugt.
Positive Stimmung nutzen
Er verfolge das Echo auf den Biosphärenpark seit geraumer Zeit und stelle einen noch nie dagewesenen Schub fest: „Bisher ist man mit Scheuklappen auf den Gemeindeinteressen gesessen. Viele aber haben gemerkt, dass es mit der Einzelkämpfermethode nach dem Misthaufenprinzip nicht weitergehen kann. Erstmals ziehen alle gemeinsam an einem Strang. Es ist überraschend und schön zugleich, dass im Lungau partei und gemeindeübergreifend etwas passiert!“ Das „Zauberwort“ Biosphärenpark habe eine positive Stimmung hervorgebracht, die es unbedingt zu nutzen gelte, denn „nun haben wir einmal die Möglichkeit, bei einer Sache vorne dran zu sein. Es wäre schrecklich, wenn wir uns jetzt verzetteln!“ Jeder solle sich schon überlegen, welche Rolle er in einem Biosphärenpark übernehmen könne. Schließlich seien genügend Ressourcen in sämtlichen Bereichen vorhanden, aus denen Marken etabliert werden könnten.
Alternative zu „Turbotourismus“
Ein Kompliment spricht Fritz Messner der Wirtschaft aus, die ebenfalls die Chance in der Zusammenarbeit und Vernetzung sehe. Was bisher ein Nachteil für den politischen Bezirk Tamsweg als topographisch abgeschlossene Einheit, sei im Fall Biosphärenpark ein großer Vorteil, zumal diese Dachmarke am Beispiel Lungau nicht bezirks- oder gar bundesländerübergreifend organisiert werden müsse. Ebenso könne nun ein Vorteil daraus gezogen werden, dass der Lungau, beispielsweise im Tourismus, nicht immer mit dem Tempo der Zeit marschiert sei: „Der Plafond im Turbotourismus – vor allem im Winter – ist erreicht! Sobald sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, haben als Erstes hochgezüchtete Gebiete mit Einbußen zu kämpfen“, schätzt der Musiker die einfachen Strukturen im Lungau und meint weiter: „Jetzt heißt‘s Hirnschmalz einsetzen und sich bald einigen!“ Eine Schlüsselrolle spiele insbesondere die Kultur, die von der Vernetzung mit wirtschaftlichen Bereichen nur profitieren könne und umgekehrt, denn: Ein Biosphärenpark gebe bestimmte Themen vor, die mit einer passenden Kultur unterfüttert sein müssen, so Messner, um sie im Denken der Menschen zu verankern. Das Spektrum reiche dabei von Volkskultur bis hin zu Kulturarbeit, die in die Zukunft schaue. Modernes solle sich als Gegenpol zu Traditionellem etablieren, das eine im anderen spiegeln. „Ganz wichtig beim Brauchtum ist, neben der Form, auf die bei uns sehr viel Wert gelegt wird, der Inhalt, der oft verloren geht“, bedauert der Pädagoge. Brauchtum müsse sich weiterentwickeln und mit neuen Inhalten füllen, schließlich sei ein Bewahren auf Biegen und Brechen ein Kampf gegen die Zeit; „Den weast valier‘n, wuascht wer du bist und wuascht wia du tuast!“
Bewahren alleine ist zu wenig
Eine breite Basis für gegenwärtige Kulturarbeit ist für Fritz Messner mit der Lungauer Kulturvereinigung gegeben. „Da können wir uns alle Finger abschlecken. Hier wird wirklich Kulturverständnis gesät“, ist dem Künstler, der auf so vielen Bühnen gestanden hat, ein profundes Urteil zuzutrauen. Er schätze vor allem die auf „unser Leben“ themenbezogenen Programme. Enorm wichtig sei der Kubus 1024 für technische Voraussetzungen, die es im Lungau bisher nicht gegeben habe, verknüpft mit dezentralem Kulturschaffen in den Orten. „Die Ressourcen müssen schlau eingesetzt werden, bewahren allein ist zu wenig“, appelliert der St. Michaeler abschließend.
